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VORTRÄGE, INHALTSANGABE


Samstag, 14. März 2015

10.00 – 10.45 Uhr
Über das Recht hinaus. Philosophische Aspekte von Gewalt und Frieden.
Herr Prof. Dr. Hans-Ernst Schiller

11.30 – 12.15 Uhr
Jugendliche zwischen Trauma, Flucht und Neuanfang.
Zur seelischen Situation von unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlingen

Herr Klaus-Dieter Grothe

Anhand von Erfahrungen aus langjähriger therapeutischer Praxis werden die
wesentlichen Konfliktfelder von minderjährigen Flüchtlingen dargestellt. Durch
Fallbeispiele wird das Praxisfeld demonstriert und herausgearbeitet, dass es nicht
nur die hochdramatischen traumatisierenden Erlebnisse von Flüchtlingen sind,
die diese prägen, sondern auch die Störungen der Entwicklung sowie die zunächst
unsichtbaren Loyalitäten und Aufträge der Herkunftsfamilie.
Literatur: Grothe, K.-D.: Die Menschen sind so unterschiedlich wie die Finger einer
Hand. Zur seelischen Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen.
Psychoanalytische Familientherapie, II/2013; Grothe, K.-D.: Trauma, Kultur und
Familie. Erfahrungen aus Norduganda. Psychoanalytische Familientherapie, I/2008.



Sonntag, 15. März 2015

9.30 – 10.15 Uhr
Der innere Krieg im narzisstisch gekränkten Menschen
Frau Dr. Bärbel Wardetzki

Kränkungen sind Reaktionen auf Ereignisse, durch die wir uns kritisiert, zurückgewiesen, abgelehnt und in unserem Selbstwertgefühl verletzt fühlen. Daraus resultiert
eine tiefe Verunsicherung unserer Person verbunden mit Gefühlen von Ohnmacht,
Wut und Selbstzweifeln. In uns streiten zwei Seiten: die Selbstabwertung und die
Aufwertung und nach außen kämpfen wir den „Angreifer“. Kränkungen enden daher
meist mit einem Beziehungsabbruch: wir wenden uns in unserer Gekränktheit trotzig
von unserem Gegenüber ab und sinnen auf Rache und Vergeltung.
Kränkungen bedeuten immer einen Angriff auf unser Selbstwertgefühl. Für selbstunsichere Menschen kann schon die hochgezogene Braue oder ein kritischer
Blick eine Verletzung bedeuten. Je instabiler das Selbstwertgefühl, umso stärker
fühlen sich Menschen gekränkt.
Kränkungen begegnen uns im Alltag ständig: in Arbeitsbeziehungen ebenso wie
in privaten Kontakten, in Institutionen und zwischen Gesellschaften. Sie sind in
den meisten Fällen Grund von Missverständnissen, Streits und sogar Kriegen.
Umso wichtiger ist es, diese Kränkungs-Dynamik zu erkennen und zu verstehen,
um konstruktive Lösungswege zu finden.

Der Königsweg ist die Stärkung unseres Selbstwertgefühls. Je mehr wir zu uns
stehen, umso geringer ist die Versuchung, uns für erlittenes Unrecht abzuwerten
und in Selbstmitleid oder Selbstverachtung zu verfallen.


11.00 – 11.45 Uhr
Macht und Ohnmacht und Borderline

Herr Dr. med. Birger Dulz

Eingeleitet von zwei „Kasuistiken“ („Ronald Barnabas Schill“ und „Helmut Heinrich
Waldemar Schmidt“) werden allgemeine Überlegungen zur Identität der
Macht angestellt. Anschließend wird der Aspekt der Macht und Ohnmacht bei
Borderline-Persönlichkeitsstörungen beleuchtet – zunächst bezüglich des Störungsbildes, dann aber auch bezüglich therapeutischer Gesichtspunkte.
Literatur: Dulz B., Schneider A. (1995,1996) Borderline-Störungen. Theorie und
Therapie. Schattauer, Stuttgart – New York; Dulz B., Nadolny A. (1998) Opfer als
Täter – Ein Dilemma des Therapeuten. Persönlichkeitsstörungen – Theorie und
Therapie 2: 36-42; Kernberg O.F., Dulz B., Sachsse U. (Hrsg.) (2000) Handbuch
der Borderline-Störungen. Schattauer, Stuttgart – New York.



Montag, 16. März 2015

9.30 – 10.15 Uhr
Vom Umgang mit den Grenzen in der Psychotherapie

Frau Dr. med. Andrea Schleu

Vortragsfolien PPT hier zum Download!

Anhand der quantitativen und qualitativen Analyse von mehr als 360 Beratungs- und
Beschwerdefällen aus psychotherapeutischen Behandlungen, die in den vergangenen
10 Jahren beim Ethikverein dokumentiert und ausgewertet worden sind, werden
zunächst die Auswirkungen auf die Betroffenen dargestellt. Es werden die Muster
und die (Psycho-)dynamik der Verstrickungen und des Nicht-Verstehens beschrieben
und die Konsequenzen für den Umgang mit Grenzen in der Psychotherapie, die
Prävention von Grenzverletzungen und mögliche Lösungsschritte abgeleitet.
Literatur: Patientenbeschwerden über psychotherapeutische Behandlungen, in: Risiken
und Nebenwirkungen von Psychotherapie, Linden und Strauß (Hrsg), Med. Wiss.
Verlagsgesell. 2013, Berlin; Sexuelle Übergriffe in der Psychotherapie – Prävention,
Beratung und Lösungsansätze, in: Sexuelle Traumatisierung, Psychotherapie im
Dialog 1/2014, Thieme Verlag, Stuttgart; Wenn Psychotherapien entglitten sind . . .
Über den professionellen Umgang mit Verwicklungen und Grenzüberschreitungen,
in: Verwickeln und Entwickeln, VAS-Verlag, Bad Homburg 2014.


11.00 – 11.45 Uhr
Transgenerationale Einwirkungen in Nachkriegskindheiten

Frau Renate Ritter

In Abgrenzung zu den vielbeschriebenen „Kriegskindheiten“ möchte ich die besondere
Phase der Nachkriegskindheit tiefenpsychologisch beschreiben. Ab 1946 im
Frieden geboren, mit beiden überlebenden Eltern aufgewachsen, wurden Krieg
und existentielle Beängstigung nicht unmittelbar, sondern durch Affekte und
Verhalten der Eltern hindurch identifikatorisch erfahren.
Die inneren Zerstörungen der Eltern und der umgebenden Großgruppe waren
nicht zu verorten, erschienen als persönliche Eigenschaften von Erwachsenen, wo
sie doch deren Abwehrformen und Bewältigungsversuche waren, die schließlich
zu Lebensmustern wurden.
Dass hierin Schuldgefühle, Schuld, schwere Scham, existentielle Angst verborgen
waren, musste später von Kindern des Nachkriegs aus der Täter- wie der Opfergeschichte mühsam freigelegt werden.


Dienstag, 18. März 2014

9.30 – 10.15 Uhr
„Zwei Türme“

Frau Silvia Freyer

„Zwei Türme“ ist ein lebendiges und innovatives Kunstprojekt von Silvia und Lutz
Freyer, so für den WAP-Kongress entwickelt. Zu sehen sind zwei turmähnliche
Skulpturen (2 m hoch) und eine auf Augenhöhe liegende Ausstellungsfläche von
65 x 65 cm – Minimuseen. Die Türme bieten die Möglichkeit, die eigene Bezugnahme
zum Tagungsthema zu zeigen. Was möchten Sie zum Thema Frieden und
Krieg zeigen, was liegt Ihnen am Herzen?
In diesem Vortrag werde ich die Wirkweise und Möglichkeiten dieses Kunstprojektes
vorstellen. Darüber hinaus werde ich anhand von Beispielen aus unserem
künstlerischen Tun weitere Aspekte zum Tagungsthema beleuchten und
erlebbar machen.


11.00 – 11.45 Uhr
Augenblicke des Friedens – Trialog mit Deutschen, jüdischen
Israelis und Palästinensern im Nahen Osten. Systemaufstellungen
als Friedensarbeit in Ruanda und Israel

Herr Dr. Albrecht Mahr und Frau Brigitta Mahr

Brigitte Mahr berichtet über den Aufbau und die Entwicklung des Trialogs zwischen
Deutschen, Israelis und Palästinensern im Verein Friendship Across Borders
– FAB e.V. Es war das Selbstmordattentat der 24 Jahre alten palästinensischen
Rechtsanwältin Hanadi Dsharadat aus Jebibm, das Brigitta Mahr aufschreckte und
sie veranlasste, der Spirale aus Angriff und Gegenangriff etwas entgegenzusetzen.
Mit dieser Attacke schien zum wiederholten Male eine unheilvolle Verbindung,
ein roter Faden, aufzuleuchten, von der gegenwärtigen Gewalt und Diskriminierung
zwischen Juden und Arabern, zurück zur deutschen Vergangenheit und den
von den Nazis verübten Gräueltaten an Juden. Die Trialogarbeit von Friendship
Across Borders – FAB e.V. widmet sich dem Bewusstwerden dieser Opfer- und
Täterdynamik zwischen Deutschen, jüdischen Israelis und Palästinensern. Die
Arbeit in Friendship Across Borders – FAB e.V. versucht, die Spannung, Abwehr,
Heuchelei und offene Feindschaft zwischen den beteiligten Gruppen umzuwandeln
in gegenseitiges Verständnis, in neues Vertrauen in den Anderen und in aufrichtige
Empathie, sowohl für das vergangene als auch für das gegenwärtige Leid.
Albrecht Mahr berichtet über seine 10-jährigen Erfahrungen mit Systemaufstellungen
als Friedensarbeit in Ruanda und Israel-Palästina sowie von den Möglichkeiten,
daraus ein tieferes Verständnis für unseren eigenen Alltag zu gewinnen.





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